Irrgarten zum Thema Identität und Interaktion mit einem Avatar
Hinführung:
Es geht um die Konstruktion einer Suche.
Und zwar einer direkten und einer metaphorischen Suche nach dem, was eigentlich Identität ist, wie sie sich zeigt und ob und wie sie auf Interaktion angewiesen ist, um entstehen zu können.
Auf unserer realen Suche nach dem, was uns ausmacht und womit wir uns identifizieren, befinden wir uns in der Situation, daß wir uns nicht von außen betrachten können. Second Life macht uns dieses implizite Versprechen und die Avatare werden erstaunlich häufig stark überzeichnet oder sehr realitätsnah gestaltet, was darauf schließen lässt, daß für viele Nutzer, die Frage nach dem: Wie wäre es wohl, wenn ich nicht der wäre, der ich bin, sondern jemand anderes? Wie reagieren die anderen auf mich und wie gehe ich auf andere zu?“ relevant ist.
Nun ist ja auf mehreren Ebenen diese Fiktion deutlich spür- und geradezu greifbar. Genau das soll auch Thema im Irrgarten werden. Eine ganz offensichtlich nicht reale Welt offeriert einen Irrgarten, der den eigenen Avatar mit Fragen und Aussagen konfrontiert, die ganz offensichtlich für den Avatar nicht von sonderlicher Relevanz sind, die sich aber dem dahinter stehenden Menschen (es sei denn es ist ein automatischer Avatar) in unterschiedlicher Ausprägung in seinem realen Leben stellen. So wird quasi das Spiel mit der VituRealität neu gemischt und man kommt nicht umhin, Antworten zu geben, denn die Begegnungen mit den Bot`s enden immer mit einer Frage des Bots, die man beantworten muß, um einen Hinweis zum weiteren Verlauf des Irrgartens zu erhalten.
In der Begegnung mit anderen Avataren, die von menschlichen Nutzern gesteuert werden, findet eine weitere Verwischung statt, denn man weiß, was man sonst nur vermutet: Auch dieser Avatar ist mit grundlegenden Fragen konfrontiert und ist im doppelten Sinne auf der Suche nach Antworten. So werden die Gespräche sich evtl. um eben diese Anfragen drehen und es entsteht eine Metakommunikation der besonderen Art: Die Avatare sind die virtuell Kommunizierenden zweier real Suchender, die sich für ihre reale Suche zu ihrem Leben, vielleicht auch einen Hinweis erhoffen und aber nach, für die Welt des Irrgartens realen, Hinweisen in der virtuellen Welt virtuell fragen.
(Klar soweit?)
Aufbau/ Umsetzung:
Auf einem Stück Land, einem Außengelände des Museums wird ein Irrgarten aus Hecken, der über einen Ausgang und über einen Eingang verfügt, aufgebaut, also analog zu den Irrgärten im 17. Jhd. mit einem zentralen Treffpunkt in der Mitte. Man kann mit seinem Avatar diesen Irrgarten betreten, darüber fliegen ist nicht möglich, da es die Intention ad absurdum führen würde.
Auf den verwinkelten Wegen, die durch Sackgassen und durch scheinbare Abkürzungen verwirrend verwoben werden, treffen die Besucher auf mehrere unterschiedliche „Elemente“.
1. Sie treffen auf animierte Bots, die mit einer einfachen Kommunikations- KI ausgerüstet sind und bei der Begegnung anfangen, entweder philosophische Themen anzuschneiden, oder den Avataren ihre „Lebensgeschichte“ zu erzählen.
Mögliche Themen sind:
Was macht mein Sein aus?
Wie lässt sich mein Ich beschreiben, obwohl doch so vieles von mir unbeschreiblich ist?
Entstehe ich als Identität erst durch das Leben meines Lebens und wenn ja, kann ich dann vor meinem Tod etwas zu dem sagen, wer ich bin? (Nachher sicher nicht.)
Welche Teile meines Ich`s bestimmen sich über mein Handeln und welche sind in meiner „Natur“ angelegt?
Woher nehme ich die Sicherheit, dass das was ich glaube von mir zu kennen, nicht nur meine Konstruktion ist?
Ist Körperlichkeit ein wesentlicher Bestandteil von Identität? Wenn ja, wie kann dann eine virtuelle Figur eine Identität haben?
2. Die Besucher begegnen anderen Avataren und tauschen sich über Hinweise zum Verlauf des Irrgartens aus. Dabei kommen evtl. auch die Antworten der konstruierten Bots ins Spiel, da in ihren Antworten Hinweise versteckt sein könnten.
3. An verschiedenen Punkten des Irrgartens werden Texte und Fragmente wissenschaftlicher Theorien zum Thema Identität aktiviert und laufen ab (man hört sie). Diese Audiostreams lassen sich nicht abstellen, sind aber auch nicht länger als eine Minute.
Abschluß:
In der Mitte des Irrgartens findet sich ein Spiegel, in dem der Betrachter die Frage auftauchen sieht: Wer bin ich? Oder: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben Ihre Identität gefunden.
Daneben steht ein Aufsteller mit dem Bild „Dies ist keine Pfeife“ von Magritte.
Mit der sich nun einstellenden Verwirrung verlassen die Besucher den Irrgarten und finden auf ihrer Suche nach dem Ausgang, weitere Identitätsfrager auf sich zukommen.
Am Ausgang erhalten sie eine elektronische Hinweiskarte mit einem Identitycode, der, bei der Suche eingegeben sie zu einer SecondLife Seite bringt, die sich mit dem Thema Identität und parasoziale Interaktion beschäftigt.
Die Besucher werden gebeten, ihre Erkenntnisse und Fragen, in einen Blog einzutragen, der quasi in SL aufgesetzt ist.
Mögliche Optik: